Die Krähe (Ausgabe 1/2000)

Das Tal der Clans - Whiskey-Valley

In den nebeligen, unwirtlichen Höhen des Drachenrückens liegt ein Hochtal, umgeben von schroffen Felswänden, in dem seit fast tausend Jahren jene Getränke produziert werden, die unter dem fast fahrlässig groben SammeInamen "Whiskey" auch jenseits der Grenzen dieses kleinen Landes wohlbekannt sind Es ist Whiskey-Valley, der ungeschliffene Bernstein unter den Juwelen der zivilisierten Welt. Tiefe grüne Hochwälder, kristallklare Seen und Bergflüsse, schattige Hochmoore und fruchtbares Ackerland prägen dieses kleine Land.
Seit eben diesen tausend Jahren wird das Land von Königen des Clans der Ballantine regiert, die jedoch - je nach Veranlagung - von den anderen Clans nur mehr oder weniger eingeschränkt als Autorität akzeptiert werden. Die eigentliche Macht hat das Thing, die Ratsversammlung aller Clansführer (und -innen), die sich um Probleme kümmert, die clansintern nicht gelöst werden können oder die das ganze Land betreffen.
Whiskey-Valley ist in Clansgebiete unterteilt, die von jeweils einer Familie - deren Oberhaupt eine Clanlady oder ein Clanlord ist, autark verwaltet werden. Herzstück ist die Destillerie, mit der jeder Clan unter seinem Namen eine ganz spezifische Whiskeysorte erzeugt, die gleichzeitig Aushängeschild der Familie und wichtigstes Handelsprodukt ist. Abgesehen von der unverkennbaren Whiskeymarke unterscheiden sich die Clans auch durch die Tartanfarben der jeweiligen Familien, die - zumindest bei festlichen Anlässen - in der Kleidung aufscheinen müssen. Am liebsten wird bei fast allen Bewohnern aber sowieso der Kilt in den Clansfarben getragen.
Der Anführer eines Clans kann sowohl männlich als auch weiblich sein, denn in Whiskey-Valley herrscht prinzipiell in allen Bereichen des Lebens Gleichberechtigung, so wie es auch jedem Clan freisteht, seine eigenen Traditionen und auch Religionen zu pflegen. Stirbt ein Clan aus, so fällt das Gebiet und die Destillierie an den Königsclan, der das Gebiet so lange verwaltet, bis es einem Nachfolgenden übergeben werden kann. Wird ein Gebiet neu vergeben, so verpflichten sich die neuen Eigentümer, den Namen und die Rezeptur des alten Clans weiterzuführen.
Auseinandersetzungen
Auseinandersetzungen zwischen Clans werden entweder vor dem Thing oder, was wesentlich häufiger und angenehmer ist, im Rahmen der alljährlichen Whiskey-Valley-Games bzw. bei Festen mit freundschaftlichen Schlägereien zu fortgeschrittener Stunde geregelt.

Dinge wie Blutrache oder Familienfehden gibt es nicht, da sie viel zu sehr vom eigentlichen Sinn des Lebens, nämlich den perfekten Whiskey zu brennen und das rauhe Leben in vollen Zügen zu genießen, ablenken.
So unangenehme, aber leider notwendige Agenden wie Außenpolitk, Außenhandelsbeziehungen, Verwaltung und Qualitätskontrollen werden sehr gerne dem Clan der Ballantine überlassen, die traditionellerweise nicht nur den König, sondern auch den höchsten Beamten des Landes, den Whiskeylord, stellen. (Böse Zungen behaupten, das sei auch der einzige Grund, warum es diesen Clan noch gibt).
Nicht nur Clansleute
Das Land ist jedoch nicht nur von Clansleuten besiedelt. In den kleinen Städten Tirgara und Breadalbaine leben jene Bürger des Landes, denen das herzliche, aber doch rauhe, bäuerliche Landleben etwas zu rauh, zu herzlich oder zu bäuerlich ist, oder die Berufen nachgehen, die nicht unbedingt etwas mit dem Brennen von Whiskey zu tun haben. In den Städten leben auch mehr Fremde oder Reisende aus anderen Ländern, da in etlichen Clans die Tradition existiert, für die Begriffe "Fremder" und "Feind" nur ein Wort zu kennen.
Auch wenn die Mehrzahl der Bewohner des Landes Menschen sind, so gibt es doch noch Vertreter der alten Elfenrasse, die entweder einzeln oder in kleinsten Gruppen zurückgezogen von den Wirren der Menschenwelt leben. Einzige Ausnahme ist der Clan der Talisker, der zu gleichen Teilen aus Menschen und Elfen besteht. Während sich die Menschen mehr auf die Whiskeyproduktion verlegt haben, kümmern sich die Elfen um die Zucht einer kleinen Pferderasse, die bei den anderen Clans sehr beliebt ist. Da die Talisker in einem ziemlich unzugänglichen Wald- und Moorgebiet leben, konnten die Elfen dort ihre alte Kultur bewahren.
Südliche Grenzberge
In den südöstlichen Grenzbergen des Landes existiert ein großes Zwergenkönigreich, mit dem das Land in regen Tauschhandel steht: Whiskey und Schafprodukte gegen Salz, Bier und Stahl.
Sei es die Abgeschlossenheit des Landes, das Zusammenleben mit älteren, langlebigeren Rassen, oder eine gewisse innere Ruhe durch intensiven Genuß des goldenen Göttergetränks, es scheint, als würden in Whiskey-Valley die Uhren etwas langsamer gehen, und nur ungern läßt man sich durch Orks, Trolle, Wölfe, Lindwürmer, alte EIfenmagie oder nachbarliche Grenzverstöße aus der Beschaulichkeit eines manchmal harten, aber immer lebenswerten Lebens reißen.

Land der Whiskey Clans

Die Geburtsstunde des Landes schlug, als wir zu viert rund um vier Flaschen unseres jeweiligen Lieblingsgetränks gruppiert saßen und darüber grübelten, welche Namen wir wohl für LRPG-Charaktere wählen könnten, die als Gruppe auf ein Burgfest von Liverollenspielern fahren sollten.
Die Namen sollten für andere (und für uns) leicht zu merken und auch mal etwas Neues sein. Irgendwann fiel ein leicht umnebelter Blick auf eine der Flaschen (ich glaube, es war Ballantine) und die scherzhafte Frage wurde gestellt, warum wir uns nicht nach unseren Whisk(e)ys nennen sollten. Das wäre wenigstens leicht zu merken. Die Idee wurde weitergesponnen, wir beschlossen, uns (nach alter Tradition) in verschiedene Tartanstoffe zu kleiden, das Erfinden eines Landes mit ein bißchen Hintergrund war dann nur mehr eine Frage der Abrundung. Das Land mit seinen Ur-Clans (Ballantine, Glenfiddich, Tullamore Dew und Black-and-White) war geboren.
Nach dem Burgfest wurde das Land auf den Kontinent Ariochia verlegt, einer vor zehn Jahren begonnenen und stetig weiterentwickelten Spielwelt des Liverollenspielvereins "Ariochs Erben". Bald folgten weitere Spieler und Spielerinnen, die sich mit unserer im Whiskeydunst geborenen Idee identifizieren konnten, und mittlerweile gibt es 15 verschiedene Clans, die jeweils durch einen oder mehrere Spieler repräsentiert werden.
Ariochia
Es ist das mit Abstand am meisten bespielte Land unserer Wiener Liverollenspielszene, zwischen 30 und 40 Spieler entwickeln unter (versuchter und bemühter) Kontrolle eines Spielleiters (nämlich mir)

seit ungefähr sechs Jahren dieses Land weiter, erleben Abenteuer, schreiben Geschichte(n) und müssen sich mit den Freuden (und Leiden) von Rollenspielcharakteren auseinandersetzen, die nicht nur für sich, sondern auch für ganze Gebiete verantwortlich sind. Um die Geschichte weiterzuspinnen werden Liverollenspiele, Tischrollenspiele und manchmal auch Tabletops gespielt, zwischen einzelnen Spielevents kommt es je nach Bedarf auch zu "Postspielen" per Email.
Whiskey-Valley ist jedoch nicht nur ein Spielszenario, sondern bietet auch auf (meistens) lockere Art seinen Spielern die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft für alles zu frönen, was mit Whiskey, Whisky, irischer und schottischer Folk-Music, Tanz und Tartans zu tun hat, ohne unter dem Zwang zu stehen, historisch authentisches Reenacting betreiben zu müssen. Eine Spielregel gibt es jedoch für Einsteiger in dieses Szenario: Kein Spielleiter legt seine Handlungen darauf an, seine Spieler ins jenseits zu befördern, aber er nimmt auch niemanden in Schutz, der sich als Spieler oder Charakter selber gegen die Gruppe stellt. Ob bei langwierigen Things, gemütlichen Festln oder beinharten Abenteuerhandlungen - man sollte immer daran denken, daß man in einem Szenario spielt, bei dem man die Konsequenzen seiner Handlungen auch wirklich mitbekommt, und daß die Mitspieler sehr wohl darauf schauen, wie sich Charaktere verhalten. Es ist ein Szenario mit einer sehr starken Gruppen- und Eigendynamik, was viel Spaß machen kann, aber - wenn man öfters spielen will - auch eine Menge Verantwortungsgefühl für die Gruppe und das gemeinsame Ziel erfordert.

ARIOCHS ERBEN

Ariochs Erben ist der 1. Liverollenspielverein Österreichs. Er wurde '89 gegründet und umfaßt mittlerweile über 100 Mitglieder. Die Mehrzahl aller Liverollenspiele werden von Spielleitern veranstaltet, die dem Verein zugehören oder ihm nahestehen.
Der Verein verfügt über einen großen Fundus an Masken, Kostümen und technischem Equipment, der seinen Mitgliedern jederzeit und annähernd kostenlos zur Verfügung steht. Diverse begünstigte Einkaufsmöglichkeiten bei Spezialgeschäften, ein bewährtes Standardregelwerk, regelmäßiges Kampftraining mit liverollenspielgerechten Polsterwaffen und Kontakt mit vielen Gleichgesinnten, runden das Angebot des Vereins ab.

Wir machen zunehmend von den Errungenschaften des Internets Gebrauch. Neben einer fast vollständigen Weltbeschreibung, die immer wieder erneuert wird, stellen wir jedem Mitglied Speicherplatz für eine private Homepage zur Verfügung.Weiters veröffentlichen wir regelmäßig aktuelle Terminlisten und Mitgliederverzeichnisse und geben die Mitgliederzeitung "Ariochs Offenbarungen" heraus.
Wir helfen gerne bei der Planung von Liverollenspielen und halten auch zu anderen Liverollenspielvereinen und Rollenspielvereinen enge Kontakte.
Kontaktadresse:
Peter Zillinger (Obmann)
Johnstraße 7/9, 1150 Wien
Tel.: 4000 / 91 0 73 bzw. 98 28 658
e-Mail: [email protected]
Internet: www.larp.com/arioch

Peter Zillinger